Beiträge vom Oktober, 2008

Einladung zur Ausstellung: HELDENGEDENKEN - ein Foto-Essay

Sonntag, 26. Oktober 2008 21:15

Schaufensterpuppe
Helmut J. Psotta / Arndt Beck
HELDENGEDENKEN – ein Foto-Essay
Eröffnung: 31. Oktober 2008, 19.30 Uhr

Einführung: Prof. Dr. Hans-Ernst Mittig
Musik: Jan Hermerschmidt, Klarinette

Ausstellungsdauer: 2. November 2008 bis 11. Januar 2009

studio im hochhaus – kunst- und literaturwerkstatt
Zingster Str. 25
13051 Berlin
Telefon/Fax: 030/9293821

Öffnungszeiten der Ausstellungen: Mo - Do 11 bis 19, Fr 11 bis 16 und So 14 bis 18 Uhr
S-Bahn (S 75) bis Wartenberg oder Hohenschönhausen Tram M4, M5 / Ahrenshooper Str. M4, M17 / Prerower Platz

HELDENGEDENKEN entstand aus dem zwischen 1999 und 2008 in Berlin erarbeiteten Foto-Essay Autopsie 2000 – Stillstand der Geschichte des bildenden Künstlers Helmut J. Psotta und des Fotografen Arndt Beck. Die Künstler konfrontieren das Denkmal des 20. Juli 1944 im Berliner Bendlerblock mit Schaufensterpuppen aus den Kaufhäusern der Stadt und stellen auf diese Weise Fragen nach Brüchen und Kontinuitäten deutscher Vergangenheit.

Ehrenmal für die Opfer des 20. Juli 19441952 vergab der Berliner Senat den Auftrag für die Gestaltung der Denkmalplastik des Ehrenmals für die Opfer des 20. Juli 1944 im Berliner Bendlerblock, dem heutigen Sitz des Verteidigungsministeriums. Den Zuschlag erhielt der Bildhauer Richard Scheibe, der wenige Jahre zuvor, in der zweiten Reihe der NS-Bildhauerelite stehend, Denkmale wie Die befreite Saar, verschiedene Kriegerehrenmale und einen Adler mit Hakenkreuz1 schuf. Der “Nazi-Aufstand gegen Hitler”, wie Hermann Gremliza den Putschversuch des 20. Juli 1944 zuspitzend nannte, sollte zur Keimzelle der westdeutschen Nachkriegsdemokratie verklärt werden. Bei der Einweihung am 20. Juli 1953 wurde unter dem Eindruck des Arbeiteraufstands in der DDR am 17. Juni 1953 das Monument vom Anti-Hitler- zum Antitotalitarismus-Denkmal “umgewidmet”, die Generäle des Widerstands konnten als Kalte Krieger auferstehen.

Über lange Zeiträume und in den unterschiedlichsten Situationen haben die Autoren die gefesselte Jünglingsplastik des Denkmals beobachtet und fotografisch festgehalten. In ihrem Ausstellungskonzept setzen sie diese Figur in Beziehung zu Fotos von Schaufensterpuppen. Während die Denkmalplastik von Richard Scheibe durchaus nicht auf eine faschistische Ästhetik verweist, hallt in den Plastikpuppen dieses Erbe frappierend wider – als untote Farce.

Wie gesagt, Sie sind herzlich eingeladen - der Eintritt ist frei.

  1. Die hier verlinkten drei Abbildungen stammen aus: Bruno Kroll, Richard Scheibe – Ein deutscher Bildhauer, Berlin 1939, S. 34, 37 und 62

Thema: Bilder, Kunst, Veranstaltungen | Kommentare (2) | Autor: arndt

2. November: Führung Friedhof Columbiadamm

Sonntag, 26. Oktober 2008 21:14

Am Sonntag, den 2. November, 11 Uhr, findet wieder eine Führung über den Friedhof Columbiadamm (Berlin) mit mir statt (weiterer Termin: 7. Dezember). Interessenten werden gebeten, sich unter der Nummer (030) 6809-2535 beim Museum Neukölln anzumelden. Treffpunkt ist der Haupteingang des Friedhofs (Columbiadamm 122). Dauer: etwa 2 Stunden, Kostenpunkt: 5,- €, ermäßigt 3,50 €, weitere Informationen hier.

Thema: Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor: arndt

Enteignet HORNBACH!

Montag, 20. Oktober 2008 19:56

Bis vor kurzem ließ sich in der Berliner Torstraße 166 das Haus der Vorstellung besichtigen und um dies vorwegzunehmen, nein, ich habe diesem Kunstevent nicht beigewohnt. Wohnen ist allerdings ein gutes Stichwort: Die HORNBACH Baumarkt AG rühmt sich, Initiator dieses “Projekts” zu sein. Versprechen sich Firmen vom üblichen Kunstsponsoring meist “nur” einen recht abstrakten Imagegewinn, hat HORNBACH die Hure Kunst längst in die Knie resp. die Baumarktkasse gezwungen:

Mit der “Torstraße 166 - Das Haus der Vorstellung” hat HORNBACH ein Projekt ins Leben gerufen, das die Vorstellungskraft der Menschen anregen soll. So zeigen in 12 Wohnungen internationale Künstler, was jenseits der standardisierten 3-Zimmer-Küche-Bad-Wohnkultur möglich ist. HORNBACH wünscht eine anregende Wohnungsbesichtigung und hofft, Sie nehmen ein paar Zentner Inspiration mit nach Hause.

Und in reklametypischer Redundanz ergänzt der Vorstandsvorsitzende Albrecht Hornbach:

HORNBACH freut sich, wenn auch Sie zu einer kurzen Wohnungsbesichtigung vorbeischauen, um sich zu Ihrem nächsten Umbau inspirieren zu lassen. Sie wissen ja, wo Sie alles dafür Notwendige samt Hilfestellung bekommen. In diesem Sinne: Viel Spaß bei der Ausstellung wünsche ich allen Heimwerkern und sonstigen Künstlern.

Es ist nicht diese Verächtlichmachung von Künstlern die mich ärgert, denn jene, die Schlange stehen um sich für kleines Geld von HORNBACH korrumpieren zu lassen, verdienen nichts besseres, als Heimwerkern untergeordnet zu werden. Es ist etwas anderes: Auf der Rückseite der 48seitigen, in unbescheidener Auflagen gedruckten, kostenlosen DIN A3 großen Tabloid-Zeitung zur Ausstellung, die - ganz nebenbei - HORNBACH zwei Seiten Werbung einräumt, 16 Mal beim Namen nennt und der zudem, fast hätte ich es vergessen, ein 64seitiges HORNBACH-Prospekt beiliegt, auf der Rückseite dieser Zeitung wird der Name des Frühsozialisten und Philosophen William Godwin geschändet (siehe Abb.).

So unverschämt, anmaßend und vulgär ist Baumarktreklame am Beginn des 21. Jahrhunderts. Und wie antwortet die Kunst des 21. Jahrhunderts? Eine, die die Enteignung HORNBACHs nicht (im übertragenen Sinn) fordert, ist keine - eine, die dies schaffte, wäre groß.

Thema: Allgemein, Kunst | Kommentare (0) | Autor: arndt

Wale, Trojanische Pferde und “Schlitzaugen”

Sonntag, 12. Oktober 2008 10:13

Gute Ideen sind wie das Trojanische Pferd: Sie kommen attraktiv verpackt daher, so dass der Mensch sie gerne hereinlässt. Erst dann entlarven sie ihr wahres Ziel: Eroberung.

Leitbild der Werbeagentur Jung von Matt

Noah-Plakat

Aufgefallen war mir dieses Plakat schon vor einigen Wochen. Die Idee, den Umriß eines Auges mit zwei kleinen Häkchen an der auslaufenden Sichel zur Silhouette eines Fisches umzuformen, fand ich sehr gelungen. Nun hat es einen feisten Preis gewonnen und ist deshalb noch einmal massiv im Berliner Stadtbild (und nicht nur dort) zu sehen.

So schön die Idee mit der Silhouette ist, so häßlich ist ihre Kehrseite. Die beigefügte Textbotschaft der Tierschutzorganisation Noah e.V. bringt uns auf den Weg: “Japan jagt noch immer” oder auch “Japan is still whaling”. Die Gleichung des Plakats lautet also: Japan = “Schlitzauge”. Es bedarf kaum einer Erläuterung: Weder sind alle “Schlitzaugen” Japaner, noch geht die Gleichung andersherum auf. Und gemeint sind mit “Japan” ja auch nicht alle “Schlitzaugen” weltweit, nicht alle japanischen Einwohner, sondern lediglich die aktuell Regierenden des Staats Japan.

Das Symbol des “Schlitzauges” ist in diesem Zusammenhang nicht nur unpräzise und unangebracht, sondern rassistisch.

Thema: Allgemein, Bilder | Kommentare (0) | Autor: arndt

12. Oktober: Führung Friedhof Columbiadamm

Dienstag, 7. Oktober 2008 14:58

Am Sonntag, den 12. Oktober, 11 Uhr, findet wieder eine Führung über den Friedhof Columbiadamm (Berlin) mit mir statt (weitere Termine: 2. November und 7. Dezember). Interessenten werden gebeten, sich unter der Nummer (030) 6809-2535 beim Museum Neukölln anzumelden. Treffpunkt ist der Haupteingang des Friedhofs (Columbiadamm 122). Dauer: etwa 2 Stunden, Kostenpunkt: 5,- €, ermäßigt 3,50 €, weitere Informationen hier.

Thema: Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor: arndt