Beiträge vom April, 2009

Größer als wie wir

Donnerstag, 23. April 2009 11:27

Kurz verlinkt: Ein Kalenderblatt zum 80. des Literaturwissenschaftlers und Philosophen George Steiner. Und das Interview, das mich auf ihn aufmerksam machte.

Thema: Allgemein, Jahrestage, Kunst | Kommentare (0) | Autor:

Steht noch dahin

Sonntag, 19. April 2009 0:29

Ob wir davonkommen ohne gefoltert zu werden, ob wir eines natürlichen Todes sterben, ob wir nicht wieder hungern, die Abfalleimer nach Kartoffelschalen durchsuchen, ob wir getrieben werden in Rudeln, wir haben`s gesehen. Ob wir nicht noch die Zellenklopfsprache lernen, den Nächsten belauern, vom Nächsten belauert werden, und bei dem Wort Freiheit weinen müssen. Ob wir uns fortstehlen rechtzeitig auf ein weißes Bett oder zugrunde gehen am hundertfachen Atomblitz, ob wir es fertigbringen mit einer Hoffnung zu sterben, steht noch dahin, steht alles noch dahin.

Marie Luise Kaschnitz, Steht noch dahin, Frankfurt am Main 1970, S. 7

Thema: Texte / Zitate | Kommentare (0) | Autor:

Intermezzo Nummer eins: Vorführung des Künstlers

Samstag, 4. April 2009 10:17

[...]

Plötzlich habe man dann beobachten müssen, wie der Ast gebrochen, das Seil unter den Sohlen, den Füßen des Mannes nach unten geglitten, entwichen sei, aber er, der Mann, der Künstler oder Artist habe sich nichtsdestoweniger am durchsichtigen Himmel festgehalten, seine Finger in die Spalten, Ritzen und Zwischenräume der Luftmauern gekrallt, sei weiter den durchsichtigen Himmel hinaufgeklettert, obwohl das Seil wirklich ganz offensichtlich unter ihm hinuntergefallen sein soll, der Mann sei durch die zitternden Schlieren gestiegen, bis er noch etwas weiter oben die Kuppe der ersten Luftmauer erreicht habe, sei über die erste Luftmauer gestiegen und im durchsichtig weißen Himmel verschwunden.

Anderen Erzählungen zufolge soll der Mann allerdings samt dem Seil heruntergefallen sein, und zwar so unglücklich, daß sein Rücken auf der Stange der Brunnenwinde aufgekommen und sein Körper reglos abgeknickt über dem Brunnen, worauf einige Leute reglos geschrien und wie am Spieß gebrüllt haben sollen, andere wiederum Hüte in die Luft geworfen oder in die Rocktaschen gegriffen, die restlichen Münzen hervorgeholt und in die Mitte des Platzes geworfen haben, man habe das viele Geld eingesammelt, wahrscheinlich wohl für das Begräbnis, sagt man, und angeblich sollen die Gehilfen mit den Aufräumungsarbeiten begonnen haben, wäre auch gar nichts anderes übriggeblieben, behauptet man, hätte wirklich nicht alles so liegenbleiben können, soll richtig unanständig ausgeschaut haben.

aus: Gert Jonke, Geometrischer Heimatroman, Frankfurt am Main 1969, S. 28

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Berlin – Prenzlauer Berg, Arnswalder Platz

Mittwoch, 1. April 2009 18:08

Wo man schaut: Kinder, Kinder, Kinder und, schlimmer noch – Eltern. An Kierkegaard gedacht und gleich ihm Gott gedankt, daß kein menschliches Wesen mir sein Dasein verdankt1. Und endlich Schernikau wirklich verstanden: “Andy Warhol war schwul, und überhaupt leuchtet uns allen ja sofort ein, daß die Homosexualität es ist, die den Fortbestand der Welt garantiert.”2

  1. nach: Die Fackel, Nr. 706-711, Dezember 1925, S. 26, hier online
  2. so Schernikau in seinem bemerkenswerten Warhol-Essay

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5. April: Führung Friedhof Columbiadamm

Mittwoch, 1. April 2009 4:39

Am Sonntag, den 5. April, 11 Uhr, findet wieder eine Führung über den Friedhof Columbiadamm (Berlin) mit mir statt (nächste Termine: 10. Mai und 7. Juni). Interessenten werden gebeten, sich unter der Nummer (030) 6809-2535 beim Museum Neukölln anzumelden. Treffpunkt ist der Haupteingang des Friedhofs (Columbiadamm 122). Dauer: etwa 2 Stunden, Kostenpunkt: 5,- €, ermäßigt 3,50 €, weitere Informationen hier.

Und jetzt neu: Das Buch zur Führung.

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