16. Mai: Lesung aus ‚Die beerdigte Nation‘

Während der 11. Langen Buchnacht in der Oranienstraße (Berlin) lesen Arndt Beck und Markus Euskirchen im Kreuzberg Museum (begleitet von Bildern und Musik) das Kapitel ‚Friedhof der Bewegung‘ aus ihrem Buch Die beerdigte Nation.

Zum Inhalt: Zwischen Herbst 1931 und Frühjahr 1933 wurden auf dem Luisenstädtischen Friedhof an der Bergmannstraße in Berlin 14 SA-, SS-Männer und Hitlerjungen beieinander beerdigt. Im nationalsozialistischen Jargon erhielt dieser Begräbnisplatz den Namen „Friedhof der Bewegung“.

Der Text fragt nach den Gründen für diese einzigartige Ansammlung von ‚Kampfzeit‘-Gräbern und nach den (höchst unterschiedlichen) Todesursachen der ‚Märtyrer‘. Er stellt Vorkommnisse rund um diese Beerdigungen dar (Überfall auf das Vorwärts-Gebäude), beleuchtet Aspekte von faschistischer Nekrophilie aus psychoanalytischer Sicht und faschistischer Symbolik aus kulturwissenschaftlicher Perspektive.

Nach den Nachrufen aus der nationalsozialistischen Tageszeitung Der Angriff ‚rekonstruiert‘ er eine exemplarische Beerdigungszeremonie und läßt dabei das gängige Liedgut erklingen: Der gute Kamerad, Horst-Wessel-Lied usw. Mit dem SA-Totenmarsch, einem Frühwerk des Nationalsozialisten Lotar Olias, schlägt er einen Bogen in die Bundesrepublik, ist doch der Autor Olias nicht nur für Freddy Quinns häßlichen Anti-68er-Schlager Wir verantwortlich, sondern auch für die „Volkshymne“1 So ein Tag, so wunderschön wie heute …

Ein abschließendes „nekrophiles Nachbild“ schlägt einen weiteren Bogen von der NS-Zeit in die Gegenwart.

Ort: Kreuzberg Museum (Dachgeschoß)
Adalbertstraße 95a
10999 Berlin
Samstag, 16. Mai, 23 Uhr
Eintritt frei

  1. siehe Nachruf in Der Spiegel, 44/1990

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