60 Jahre, 1000 Komplexe

Wenn ein Land eine so trostlose und erfolglose Geschichte hinter sich hat, ist es kein Wunder, wenn es von schweren Minderwertigkeitskomplexen geplagt wird, die es unaufhörlich kompensieren will: Diese Leute wollen endlich siegen oder geliebt werden – oder sich wenigstens eine Geschichte konstruieren, mit der sie leben können.

Heinrich Senfft1

Jüngstes Beispiel: Robert Fleck, neuer Intendant der Bonner Bundeskunsthalle, nennt Deutschland in der Kunst „seit den 1960er-Jahren die einzige kontinuierliche Weltmacht neben den USA“ (zitiert nach Focus). Der Focus selbst überschreibt seinen Artikel zu der unsäglichen Bild-Zeitungs- und RWE-Ausstellung 60 Jahre, 60 Werke mit „Eine künstlerische Weltmacht„.

Was Hitler auf politischem Gebiet nicht erreichte, sollen Richter, Uecker, Baselitz, Lüpertz etc. in der Kunst geschafft haben? Wäre dies so, dann ist die Bild-Zeitung die heutige Die Kunst im Deutschen Reich. Doch wahrscheinlich hat Heinrich Senfft recht: Siegen oder geliebt werden – doch da diese Leute niemand liebt, konstruieren sie sich ihr erbärmliches, komplexbeladenes, siegreiches Leben.

  1. in: Karsten Linne, Thomas Wohlleben (Hg.), Patient Geschichte, Frankfurt am Main 1993, S. 52

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