Il Palindromo numero 9

Tre anni circa dopo il suo ingresso, Antonio notò un fatto sorprendente. Quando casualmente levava le mani contro il sole, o anche contro una lampada forte, la luce le attraversava come se fossero di cera; poco dopo, osservò che si svegliava più presto dell’usato al mattino, e si accorse che ciò avveniva perché anche le palpebre erano più trasparenti; anzi, entro pochi giorni divennero trasparenti in misura tale che Antonio distingueva i contorni degli oggetti anche ad occhi chiusi.

aus: Arndt Beck - Kaliningrad ohne Heimweh

Klingt das nicht toll? Auf deutsch hört sich das so an:

„Ungefähr drei Jahre nach seiner Ankunft im Park fiel Antonio etwas Merkwürdiges auf. Wenn er zufällig seine Hände vor die Sonne oder vor eine helle Lampe hielt, dann fiel das Licht durch sie hindurch wie durch Wachs; wenig später bemerkte er, daß er am Morgen früher als gewöhnlich aufwachte, und er stellte fest, daß das geschah, weil auch seine Lider durchsichtiger geworden waren; ja, innerhalb weniger Tage wurden sie so durchsichtig, daß Antonio auch mit geschlossenen Augen die Umrisse der Gegenstände rings um sich erkennen konnte.“

Und weiter:

 

Im ersten Moment maß er der Sache keine Bedeutung bei, aber gegen Ende Mai bemerkte er, daß die ganze Hirnschale durchsichtig zu werden begann. Das war ein komisches und beunruhigendes Gefühl: als ob sein Gesichtsfeld sich immer mehr erweiterte, nicht nur nach den beiden Seiten hin, sondern auch nach oben, unten und nach hinten. Mittlerweile nahm er das Licht wahr, gleich aus welcher Richtung es kam, und bald war er in der Lage zu beobachten, was hinter seinem Rücken vorging. Als er Mitte Juni feststellte, daß er den Stuhl sehen konnte, auf dem er saß, und das Gras unter seinen Füßen, da wurde Antonio klar, daß seine Stunde gekommen war, daß die Erinnerung an ihn verblaßt und seine Zeugenschaft beendet war. Er empfand Trauer darüber, aber weder Schrecken noch Angst. Er verabschiedete sich von James und von seinen neuen Freunden und setzte sich unter eine Eiche, um abzuwarten, daß sein Fleisch und sein Geist sich in Wind und Licht auflösten.

Primo Levi, Nel Parco, in Vizio di Forma [in Tutti i Racconti, Einaudi 2005, pp. 296-297], deutsch: Im Park, in: derselbe, Der Freund des Menschen, München 1995, S. 213f.

Gemeinsam mit Primo Levis Text hat die italienische Online-Zeitschrift Il Palindromo eine kleine Auswahl meiner Friedhofsbilder aus dem Fotoessay Kaliningrad ohne Heimweh veröffentlicht. Neben Levis Text ist den Bildern eine Widmung vorangestellt:

Gewidmet den Opfern von Faschismus und Krieg
(nach dem 8. Streichquartett von Dimitri Schostakowitsch)

Dazu hatte ich vor einiger Zeit einen kleinen Fotofilm gemacht (leider ist die Qualität bei Youtube unter aller Sau. Vielleicht verrät mir mal jemand, wie man soetwas verlustfreier hochlädt):

Aber jetzt erstmal italienisch lernen und Il Palindromo lesen und schauen [hier als pdf]:

Vielen Dank an Flora!

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