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Nürnberg, 21. Februar, 6 Uhr abends:

Gerade erst ist unser Flugzeug in dem ehemaligen Räubernest gelandet, wo der jetzt unschädlich gemachte Alfred Rosenberg einst seine antijüdischen Gesetze verkündete. Bis in alle Ewigkeit wird der Name Nürnberg in die Geschichte eingehen: Nürnberger Gesetze — Nürnberger Prozess. Symbolisch. Hier, wo die Losung von der Vernichtung des jüdischen Volks ihren Anfang nahm — hier werden jetzt die Verbrecher verurteilt. Und ich, vielleicht der einzige am Leben gebliebene jiddische Dichter aus dem besetzten Europa, ich komme jetzt zum Prozess in Nürnberg, nicht nur als Aussagender, sondern als lebendiger Zeuge der Unsterblichkeit meines Volks.

Ich bemerkte es schon in Berlin und jetzt noch einmal deutlicher: die Gebäude sind hier nicht zusammengewachsen wie etwa in Moskau. Jedes Gebäude ist getrennt vom nächsten. Die Architektur — eine mittelalterlich-gotische. Am besten gefallen mir die Gebäude, die zertrümmert liegen.

Der Strom der Passanten ist viel dichter als in Berlin. Neben Einheimischen gehen ebenso viele amerikanische Soldaten umher. Es fallen auch einige weitere Ausländer auf — man spürt, dass sich in der Stadt etwas Bedeutendes ereignet.

Wir wohnen im ›Grand Hotel‹. Einer seiner Flügel ist von einer Bombe zerstört.

Am Abend kam der sowjetische Hauptankläger Rudenko zu mir. Er erkundigte sich, wie es mir gehe und sagte, dass er mich heute ausruhen lasse und wir morgen alle Fragen bezüglich meines Auftritts als Zeuge beim Nürnberger Prozess besprechen
werden.


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