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5. Juli: Einladung zur Fotoausstellung

Freitag, 1. Juli 2011 18:13

Flyer Trialog Title

Dreisprachiger Flyer (deutsch-polnisch-russisch) als pdf; Plakat als pdf

 

Im vergangenen April hatte ich Gelegenheit im Rahmen des Projekts Trialog an einer einwöchigen Sommerschule in Zelenogradsk (Kaliningrader Gebiet) teilzunehmen.

Ein Resultat dieser produktiven aber wenig sommerlichen Reise ist nun ab Dienstag in der Bibliothek-Galerie der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder zu sehen.

Im Vorfeld der Reise hatte ich meine Idee für einen Fotoessay so beschrieben:

Rein fotografische Auffassung und Umsetzung des von Karl Schlögel beschriebenen Flaneurs als Bewegungs- und Erkenntnisform (“Im Raume lesen wir die Zeit”) in der Tradition von Franz Hessel, Walter Benjamin und der Exkursionistik der frühen Sowjetunion (Nikolaj P. Anziferow). Ein bewußt offenes Konzept, daß sich zwar – bedingt durch die Kürze des Aufenthalts – einige Ziele setzt (Denkmale, Friedhöfe etc.), ansonsten aber völlig der “Augenarbeit” (Schlögel) überlässt, dem “Magnetismus des Ortes” (Benjamin) aussetzt und auf eine “Entdeckungsreise des Zufalls” (Hessel) geht.
Ziel ist die bewußte, “von Mythen und Legenden bereinigte Aneignung der kulturellen Welt, wie sie in der Ikonographie der Landschaft, in gebauter Geschichte und Kultur sichtbar” ist (Beschreibung der Exkursionistik von Schlögel), die im Anschluß an den Aufenthalt zu einem selbständigen Fotoessay verdichtet wird.1

Grundsätzlich passt die Beschreibung auch im Nachhinein gut zur Ausstellung, nur wurde das Konzept ausgeweitet: insgesamt 16 Teilnehmer der Sommerschule waren bereit, mir ihr Bildmaterial zur Verfügung zu stellen, so daß ich bei der Konzeption der Ausstellung auf einen reichen Fundus von einigen tausend Bildern zurückgreifen konnte und nicht nur auf meine eigene Auschauung angewiesen war.

Die Eröffnung der Ausstellung findet nun am Dienstag, den 5. Juli, 18 Uhr im Raum AM03 (Große Scharrnstraße 59, 15230 Frankfurt/Oder) statt. Danach wird sie während der Öffnungszeiten der Uni bis zum 15. September in der Bibliothek-Galerie zu sehen sein.

  1. Das Kurzkonzept (pdf) gibt es dank Ela auch auf polnisch (pdf).

Thema: Bilder, Kaliningrad ohne Heimweh, Kunst, Veranstaltungen | Kommentare (1) | Autor:

Über den Begriff der Geschichte

Samstag, 21. Juni 2008 7:43

IX
[...]
Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.

Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte, nach: derselbe, Gesammelte Schriften, Band 1, Teil 2 (hg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser), Frankfurt am Main 1980, S. 697f.

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