Freitag, 15. Oktober 2010 1:33
Johann Georg Elser bleibt nichts erspart. Irgendwo zwischen Bundeswehrehrenmal und Freiheitsdenkmal wird nun auch der Hitlerattentäter, an dem sich lange, sehr lange niemand seine offiziellen Finger schmutzig machen wollte, in der Berliner Denkmallandschaft zur letzten Ruhe gebettet. Die Gleichmütigkeit, mit der auch noch der Widerständigste eingemeindet wird ins nationale Gedenken, ist ekelhaft. Überhaupt ist so grauenhaft an diesem System, daß es alles, wirklich alles freudlos fressen kann.
Ich hatte eine Idee. Und da das selten vorkommt und noch seltener zur rechten Zeit, habe ich mir den Spaß gemacht, beim Wettbewerb um das Elserdenkmal mitzutun. Wie nicht anders zu erwarten war, ist mein Beitrag (gemeinsam mit 195 anderen) in der ersten Runde ausgeschieden. Vom 19. Oktober bis zum 1. November werden die insgesamt 207 Vorschläge nun in der Kreuzberger Marheinekehalle ausgestellt (Eröffnung am 18., 17 Uhr). Mein Beitrag sei auch hier dokumentiert:
Kein Denkmal für Johann Georg Elser
die tat aber ist nur durch die tat mitteilbar. den verlorenen müssen wir im modder versinken lassen.
Ronald M. Schernikau
Eine Verneinung
Nein, Johann Georg Elser hat kein Denkmal verdient – nicht in diesem Land, nicht in dieser Stadt.
Ein Gegenvorschlag
Im Hof des Bendlerblocks steht seit 1953 ein Denkmal für die Opfer des 20. Juli 1944. Autor ist der NS-Bildhauer Richard Scheibe. Sein Denkmal wird mit allen Tafeln entfernt (und die Ergänzungen seines Schülers Erich Reusch gleich mit) und durch einen Sandhaufen ersetzt. Das ist kostengünstig und allemal eindrucksvoller als die jetzige Situation.
Scheibes „Gefesselter“ wird mitsamt den Tafeln und der Bodenplastik eingeschmolzen und die gesammelte Bronze zu einem überdimensionierten, naturalistischen Bundesverdienstkreuz geformt.

Zeichnung zum Denkmalentwurf von H.J. Psotta
Aufgestellt wird es am gegebenen Gedenkort hinter einer wie folgt präparierten öffentlichen Toilette: Die anfallenden Fäkalien der Toilette werden mit einer Duschvorrichtung über dem Bundesverdienstkreuz ausgegossen. Die Benutzung der Toilette ist jedem möglich und natürlich kostenlos.
Gewidmet wird das Denkmal den beiden Zollbeamten Xaver Rieger und Waldemar Zipperer, die Elser am Grenzübertritt in die Schweiz hinderten. Zipperer erhielt 1978 das Bundesverdienstkreuz.
Die Tat
Statt Johann Georg Elser mit einem Denkmal zu vergessen, wird an der europäischen Außengrenze jeden Tag einem zufällig ausgewählten Asylsuchenden ein Elser-Paß ausgehändigt. Das meint: ohne jede Nachfrage erhält er alle zum dauerhaften Aufenthalt in der EU nötigen Papiere. Die Tat ist nur durch die Tat mitteilbar.